Einsatz steht kurz bevor Verteidigungsminister Scharping hat angekündigt, dass sich die Bundeswehr in wenigen Tagen an Lufttransporten beteiligen wird. Scharping sagte der Welt am Sonntag, nach dem Bundestagsbeschluss werde die Hilfe für den Lufttransport in wenigen Tagen aufgenommen. Auch stünden Sanitäter zur Evakuierung von Verletzten bereit. Alle anderen deutschen Hilfsangebote wie etwa Spezialkräfte benötigten zum Teil eine mehrwöchige Vorbereitung. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering plädierte für die Entsendung einer Afghanistan-Friedenstruppe, sobald die Kämpfe dort vorbei sind. Rühe: USA erwarten mehr Der ehemalige Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) sagte, die USA erwarteten, dass sich Deutschland an einer Friedenstruppe beteiligt. Die Vereinigten Staaten forderten eine deutsche Beteiligung, die weit über das bisher bewilligte Kontingent hinausreiche. Treuer Partner Deutschland Der Kanzler hat die Vertrauensfrage im Bundestag überstanden. Er will den USA 3900 Bundeswehrsoldaten bereit stellen. Außenminister Fischer und Bundeskanzler Schröder befürworten die Vergeltungsschläge der USA (dpa ) Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will den USA für ein Jahr die Bereitstellung von 3900 deutschen Soldaten zur Unterstützung des Kampfes gegen den internationalen Terrorismus zusagen. Eine Beteiligung Deutschlands an Luftangriffen oder die Bereitstellung von Bodentruppen für Afghanistan sei nicht gefordert worden, sagte Schröder in Berlin. ,,Es geht zunächst nur um Bereitstellung", sagte Schröder. ,,Für jeden konkreten Einsatz behalten wir die nationale Entscheidung." Die USA hätten zur Unterstützung ihres Kampfes gegen die Hintermänner des Terrorismus in Afghanistan Kräfte zur Abwehr atomarer, biologischer und chemischer Kampfstoffe, eine Einheit zur Evakuierung von Verwundeten sowie 100 Mann Spezialkräfte angefordert. Außerdem seien Kräfte für den Lufttransport von Menschen und Material sowie bis zu 1800 Mann Seestreitkräfte zum Schutz gefährdeter Schiffstransporte erbeten worden. Schill bittet Beckstein um Hilfe Um die innere Sicherheit in seiner Stadt zu verbessern, holt Hamburgs Innensenator Ronald Schill bayerische Polizisten auf die Reeperbahn. Hamburgs Polizisten bekommen Unterstützung aus dem Süden. Der bayerische Innenminister Günther Beckstein (CSU) werde zunächst 20 Beamte zur Verfügung stellen, teilte Hamburgs Innensenator Ronald Schill am Samstag mit. Weitere Polizeikontingente aus Bayern würden folgen. Schill erklärte, man habe eine Sicherheitspartnerschaft zwischen beiden Bundesländern vereinbart. Bayern helfe der Hansestadt in einer ,,Notlage". Die Vereinbarung beinhalte aber auch, dass in einigen Jahren Hamburger Polizisten nach Bayern kommen sollten, um hier neue Erfahrungen zu sammeln. Der Einsatz bayerischer Polizisten in Hamburg sei freiwillig und begrenzt, betonte Schill. Die neuen Ordnungshüter sollten beispielsweise im Streifendienst eingesetzt werden. Zugleich kündigte Schill die sofortige Neueinstellung von 250 Polizisten und eine Verkürzung der Ausbildung von 30 auf 18 Monate an. 50 Millionen Mark für Anwerbung von Polizisten Die Hamburger Mitte-Rechts-Koalition, in der Schill die von ihm gegründete Partei Rechtsstaatliche Offensive vertritt, hatte erst vor einigen Wochen vereinbart, 50 Millionen Mark für die Anwerbung von Polizisten aus anderen Bundesländern bereit zu stellen. Schleswig-Holstein und Niedersachsen hatten heftig gegen eine Abwerbung protestiert. Auch bei anderen Bundesländern war man nicht erfolgreich. Hirsch: Unterlagen zu Spenden beseitigt Der Sonderermittler weist auf die Aktensammlung von Altkanzler Kohl hin, die nach der Wahlniederlage 1998 verschwunden ist. Von Michael Stiller (SZ vom 17.11.2001) - München - Aus dem Bericht von Burkhard Hirsch, dem Sonderermittler von Bundeskanzler Gerhard Schröder, zu Aktenmanipulationen im Kanzleramt für die Staatsanwaltschaft vom 5.September 2001 sind weitere Einzelheiten bekannt geworden. Hirsch sollte untersuchen, ob nach der Wahlniederlage Helmut Kohls 1998 Datenbestände des Kanzleramts gelöscht und der schriftliche Aktenbestand verändert worden sind. Der frühere Bundestagsabgeordnete der FDP kommt in seinen auf Akteneinsicht und Befragung von Mitarbeitern beruhenden ,,Persönlichen Bewertungen" zum Ergebnis, die Datenverarbeitung des Kanzleramts sei beim Regierungswechsel so weit wie möglich gelöscht worden. Damit sollten Manipulationen am schriftlichen Aktenbestand ermöglicht werden. Nachfolgende Regierungen sollten laut Hirsch keine Kenntnis von bestimmten Sachverhalten erlangen. Ex-Kanzler Kohl habe eine auf 300 Leitz-Ordner geschätzte Aktensammlung geführt, die von der Registratur des Kanzleramts getrennt gewesen sei. Ihr Verbleib sei unbekannt. Kohls Fahrer Ekkehard Seeber habe sogar sein Fahrtenbuch vernichtet, damit Feststellungen, wohin er im Zusammenhang mit dem Regierungswechsel gefahren sei, verhindert würden.Hirsch bewertet die Vorgänge als gezielte Handlungen und nicht als Zufälligkeiten. In allen Fällen, in denen der Spenden-Untersuchungsausschuss des Bundestags Akten angefordert habe, seien Aktenmanipulationen und nicht erklärbare Lücken festgestellt worden. Es sollten dienstliche Vorgänge verborgen werden, die einen Schluss auf persönliche Einflüsse oder Zusammenhänge mit finanziellen Leistungen und Spenden zulassen könnten, schreibt Hirsch. Eine nun in der Konrad-Adenauer-Stiftung gelagerte Aktensammlung von Kohls Kanzleramtsminister Friedrich Bohl sei ,,offenkundig inzwischen bereinigt" worden. Der Inhalt der Ordner stimme nicht mehr mit den vorgehefteten Inhaltsverzeichnissen überein, stellt Hirsch fest. Es handle sich zu einem erheblichen Teil um dienstliche Vorgänge: formal klassifizierte Unterlagen des Bundessicherheitsrats, Schreiben der in die Leuna-Affäre verstrickten Staatssekretärin Agnes Hürland-Büning, Unterlagen über Bemühungen der früheren CDU-Schatzmeisterin Brigitte Baumeister, genehmigungspflichtige Rüstungsexporte zu ermöglichen und Nachweise zur Tätigkeit des untergetauchten Ex-Staatssekretärs Holger Pfahls beim Export von 36 Fuchs-Panzern der Firma Thyssen nach Saudi-Arabien 1991. Der Panzerverkauf und der Verkauf von Airbus-Flugzeugen nach Thailand sind Gegenstand einer Anklage und eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Augsburg. Beim Airbus-Geschäft 1990, über das sämtliche Akten im Kanzleramt fehlen, sollen der Lobbyist Karl-Heinz Schreiber und sein Partner Max Strauß, Sohn des CSU-Politikers und langjährigen Airbus-Aufsichtsratschefs Franz Josef Strauß, 10,44 Millionen US-Dollar Provision kassiert haben. Dass mit diesem Geschäft auch Strauß senior zu tun hatte, ergibt sich aus einem in den Akten dokumentierten Gesprächswunsch Schreibers, den der damalige CSU-Abgeordnete Erich Riedl im Juni 1994 im Büro des früheren Airbus-Aufsichtsratschefs Hans Friderichs vortrug. Schreiber habe ,,ein Problem" mit Airbus, das noch in die Zeit von Franz Josef Strauß zurückreiche, sagte Riedl damals. Es gehe um Provisionen, die Airbus Schreiber vorenthalte. Das hat er vor einem Jahr im Berliner Untersuchungsausschuss bestätigt. Der Strauß-Amigo Schreiber hat 1990/1991 auch den Panzerverkauf für knapp 450 Millionen Mark gemanagt. Der Gegenwert betrug 220 Millionen Mark. Die Differenz ist nach Feststellungen der Staatsanwaltschaft als Schmiergeld an die Briefkastenfirmen Linsur, Ovessim, Great Aziz und ATG geflossen. Aus den 24 Millionen Mark für die Schreiber zuzurechnende Firma ATG sind laut Staatsanwaltschaft hohe Beträge an Pfahls, an zwei Thyssen-Manager und an Max Strauß geflossen und nicht versteuert worden. Die Beschuldigten weisen die Vorwürfe zurück. Im August 1991 übergab Schreiber dem ins Panzergeschäft eingeschalteten damaligen CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep eine Million Mark in bar. Kohl hatte im Februar 1991 dem Panzerdeal im Bundessicherheitsrat den Weg geebnet. Hirsch schreibt, seinerzeit sei der Golfkrieg genutzt worden, um die Öffnung des arabischen Markts für deutsche Rüstungslieferungen politisch durchzusetzen. Es bestehe der Verdacht, dass damit erhebliche Spenden verbunden waren und dass die beteiligten Politiker sich dessen auch bewusst waren. Angeklagtem droht lebenslange Haft Am Dienstag wird das Urteil in dem Prozess gegen den 25-jährigen Stefan J. erwartet. Er soll die zwölfjährige Ulrike aus dem brandenburgischen Eberswalde missbraucht und erdrosselt haben. Die Radfahrt zum Handballtraining wurde dem lebensfrohen Mädchen mit dem blonden Zopf zum tödlichen Verhängnis. Wenige Meter von ihrem Elternhaus entfernt soll Ulrike am 22. Februar in die Gewalt von Stefan J. aus Fürstenwalde geraten sein. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord, Vergewaltigung und Entführung vor. Laut Anklage hat J. das Mädchen mehrmals vergewaltigt und sie dann mit einem Schal erdrosselt. Danach soll er die Leiche im Wald mit Laub bedeckt und ein zuvor gestohlenes Auto, mit dem er Ulrike verschleppt hatte, im nahe gelegenen Bernau in Brand gesteckt haben. Nach 14 Prozesstagen muss der mehrfach Vorbestrafte damit rechnen, dass er lebenslang hinter Gitter kommt. Kein umfassendes Geständnis Die Hände unterm Tisch, die Schultern gesenkt und die Blicke auf die Tischplatte vor ihm gerichtet - teilnahmslos hat der 25-Jährige seit dem 10. Oktober die Verhandlung am Landgericht Frankfurt (Oder) verfolgt. Ein umfassendes Geständnis der Vorwürfe, das sich die im Saal sitzenden Eltern seines Opfers erhofft hatten, legte er nicht ab. Der in unvollständigen Sätzen sprechende Angeklagte stritt in dem Verfahren ab, Ulrike vorsätzlich angefahren, missbraucht und getötet zu haben. Verteidigung beantragt 15 Jahre Haft Er habe das Mädchen aus Versehen angefahren, weil er nach einer Schnapsflasche auf dem Beifahrersitz griff, sagte er. Dann habe ihn Ulrike, die nach Aussagen ihrer Mutter immer abgekaute Fingernägel hatte, gekratzt. ,,Wollte als Strafe eine Runde mit ihr fahren und sie auf einem Dorf wieder rauslassen." Und warum ließ er die Zwölfjährige, die ihn bis zuletzt bat, sie nach Hause zu lassen, nicht mehr frei? ,,Durcheinander. Alkohol. Aufgebracht. Nicht mehr daran gedacht", stammelte Jahn im Gerichtssaal. Die Verteidigung beantragte 15 Jahre Haft wegen Totschlags. Doch nach Auffassung von Nebenklage und Staatsanwaltschaft hat er der Angeklagte das Mädchen bewusst mit dem Auto angefahren, um es anschließend zu missbrauchen. Anschließend habe er Ulrike dann kaltblütig getötet, um nicht verraten zu werden. ,,Das Kind war für Sie ein Objekt, kein Mensch. Und es war chancenlos", sagte PDS-Politiker Gregor Gysi, der die als Nebenkläger agierenden Eltern des Opfers vertritt, in seinem Plädoyer. Wie die Staatsanwaltschaft, die eine besondere Schwere der Schuld sieht, fordert Gysi eine lebenslange Haftstrafe - und zusätzlich Sicherungsverwahrung. Dann könnte Jahn nicht nach 15 Jahren damit rechnen, auf Bewährung frei zu kommen.